DCs populäre Superheldin kommt in die Kinos. Was es über das Franchise zu wissen gibt, erfährst du in meiner Filmkritik zu "Wonder Woman". #Filmkritik #Filmreview #Kinoreview #Kinofilm
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Mit Diana durch den Weltkrieg: Meine Filmkritik zu „Wonder Woman“

Von am 3. Juni 2017

DCs populäre Superheldin kommt in die Kinos und ich durfte das Leinwand-Abenteuer der wehrhaften Amazone schon vorab sehen. Wie es mir gefallen hat und was es über das Franchise sonst noch so zu wissen gibt, erfährst du hier in meiner Filmkritik zu „Wonder Woman“.

Dass mich DC Comics an meine Kindheit erinnern würden, kann ich leider nicht behaupten. Das gilt auch für Marvel. Ich weiß gar nicht so genau warum – sicher hätte ich auch damals schon Spaß an Batman (DC) oder Spiderman (Marvel) gehabt, genau wie es jetzt der Fall ist. Aber irgendwie hatte ich gar nie Kontakt zu den großen US-Comics. Mit Ausnahme der „Lustigen Taschenbücher“ natürlich. Falls die zählen. Die habe ich geliebt und mir regelmäßig auf Flohmärkten Nachschub besorgt.

Ansonsten war und bin ich ein großer Fan der franko-belgischen Comics, wie „Asterix“, „Lucky Luke“ oder „Tim und Struppi“. Deren Abenteuer habe ich verschlungen damals. Ich war also durchaus ein großer Comic-Fan. Aber ich wusste nichts über Marvel oder DC.

Geändert hat sich das eigentlich erst allmählich durch die aufwändigen Kinofilme. Ich will wirklich nicht behaupten, dass ich mich jetzt in irgendeiner Form seriös mit den Reihen auskenne, aber ich habe über die Filme und das dadurch erweckte Interesse zumindest einen ersten Einblick erhalten, kenne wichtige Figuren, weiß, dass es sowas wie Multiversen gibt und habe ein bisschen reingelesen in die Geschichte verschiedener Serien.

Natürlich habe ich das auch für Wonder Woman so gemacht. Wie ich dabei erfahren habe, ist sie eine der ältesten Superhelden-Figuren des DC-Comics-Verlags. Und die allererste Superheldin.

Wer jetzt rät, dass die Anfänge der Figur möglicherweise in der Frauenrechtsbewegung der 1960er Jahre liegen könnten, irrt sich aber. Tatsächlich schwingt Diana schon seit den 40er Jahren ihr Lasso der Wahrheit.

Hier erzähle ich dir jetzt ein paar Worte über die Figur und das Franchise ansich, danach gibt es dann den Kinotrailer und ich gehe ich in meiner Filmkritik auf den Blockbuster ein (so weit wie irgendmöglich spoilerfrei):

 

Die Geburt der ersten Superheldin

Ende der 30er Jahre hatte Supermann seinen ersten Auftritt und die Zeit der Superheldencomics begann. Allerdings waren anfangs fast keine weiblichen Charaktere am Start. Das fiel dem Psychologen und Comic-Fan William Moulton Marston auf.  Marston war ein Anhänger feministischer Ansätze und war deshalb der Meinung, dass der Umstand zügig geändert werden müsste. Er nahm dazu Kontakt mit Max Gaines von All-American Comics auf, die später in DC aufgingen, und dachte sich eine Figur aus, die es kräftemäßig mit Superman aufnehmen könnte – aber ausgestattet mit „weiblichem Charme“.  Die erste weibliche Superheldin war geboren: Wonder Woman.

 

Wonder Woman in den Comics

Heraus kam dabei also eine attraktive und starke Amazonenprinzessin namens Diana. Eine schwarzhaarige Schönheit, ausgestattet mit immensen Kräften und hervorragenden Kampfskills. Ihre Kleidung bestand aus einer roten Corsage, einer Tiara (der bekannte Kopfschmuck)  und einem blauen Minirock mit weißen Sternen. Unschwer zu erkennen, dass die Farbwahl auf die amerikanische Flagge anspielte.

Bewaffnet war sie mit einem magischen Lasso und silbernen Unterarmschienen.  Mit dem Lasso konnte sie kämpfen und es hatte einen interessanten Nebeneffekt: Wer sich damit einfangen ließ, konnte nicht anders, als die Wahrheit zu sagen. Mit den Armschützern ließen sich hingegen Geschosse abwehren – und sie beherbergten gleichzeitig auch die Schwäche Wonder Womans, ihr Kryptonit: Wenn es jemand schaffte, ihre Arme aneinanderzubinden, verlor sie ihre Superkraft.

 

Die Entwicklung der Comic-Figur

Ihren ersten Auftritt hatte Wonder Woman dann 1941 in All-Star-Comics #8 – im Wesentlichen mit der Geschichte, die nun auch dem Kinofilm zugrunde liegt: Auf der Amazoneninsel stürzt ein US-Pilot ab und Diana alias Wonder Woman folgt ihm in die Welt der Menschen bzw. Welt der Männer, um unter der Geheimidentität Diana Prince als Armeesekretärin gegen den Krieg anzukämpfen.

Anfang der 60er Jahre wurde ihre Vorgeschichte dann weiter ausgearbeitet und fest in der griechischen Mythologie verankert – auch das sehen wir im Film, wenn auch nicht in der Tiefe, wie ich es über die Comicvorlage gelesen habe.

Ebenfalls in den 60ern wurde Wonder Womans Sidekick Wonder Girl etabliert – diese kommt im Film aber nicht vor.

Rund zehn Jahre später wiederum wurde die wehrhafte Amazone zu einer lässigen Agentin uminterpetiert und entfernte sich imagemäßig ein Stück weit von der griechischen Mythologie und wand sich eher James Bond & Co zu.  Auch die Kleidung orientierte sich nicht mehr am klassischen Kostüm, sondern an zeitgemäßer Mode. Davon ist im Film nichts zu sehen, hier halten sich die Macher offenbar stärker an der ursprünglichen Vorlage. Wohltuend ist aber, dass sie auf die an die US-Flagge angelehnte Farbgebung weitgehend verzichtet und Diana dadurch einen glaubwürdigeren Look gegeben haben.

 

Der Trailer zum Kinofilm

Das war soweit das Vorwissen, mit dem ich ins Kino gegangen bin. Und den Trailer hatte ich natürlich gesehen:

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Das ist übrigens schon der neunte (!) Trailer für diesen Film. Schau dir aber auch nicht zuviel vorher an – mehr Unwissenheit bedeutet im Kino immer nochmal etwas mehr Spaß, finde ich.

 

Die Handlung des Kinofilms

Diana stammt von einer Insel, auf der die Frauen regieren – Themyscira, Insel der Amazonen. Männer gibt es dort nicht. Wie wir in einer visuell sehr gelungenen Rückblende erfahren, hatten die Götter die Amazonen erschaffen, um den Frieden auf die Erde zurückzubringen. Das gelang eine Zeit lang leidlich, scheiterte aber am Ende.

Die Amazonen schnetzelten sich den Weg aus drohender Unterdrückung frei und wurden später von Zeus auf der Insel Themyscira untergebracht. Diese versah er mit einer magischen Tarnung, damit sein Erzfeind, der Kriegsgott Ares, sie nicht finden kann.

Für den Fall, dass das irgendwann doch passieren sollte, überließ er ihnen außerdem eine geheimnisvolle Waffe, mit der man Ares gegebenenfalls Paroli bieten könnte – welche das ist, wird hier jetzt nicht verraten.

Am Anfang des Films sehen wir Diana als Kind, bekommen das eben kurz Umrissene erzählt und sehen, wie Diana sich auf eigenen Wunsch – zunächst heimlich – zur Kämpferin ausbilden lässt.

Eines Tages dann landet ein Mann auf der Insel – der amerikanische Pilot Steve Trevor. Er erzählt von den schrecklichen Kriegen und Konflikten rund um den Erdball. Für Diana lassen seine Schilderungen nur einen Schluss zu: Der bösartige Kriegsgott Ares hat seine Hände im Spiel!

Gemäß ihrer Mission, für Frieden auf der Erde zu sorgen, zieht es Diana deshalb hinaus in die Welt. Sie folgt Steve und lässt ihr altes Leben hinter sich, um sich dorthin zu begeben, wo das Kampfgetümmel am brutalsten ist. Und somit findet sie sich mitten im ersten Weltkrieg wieder…

 

Wir lernen Wonder Woman im Film kennen

Was wir hier vor uns haben, ist ein klassischer „Charakter-Einführungsfilm“, wie es Marvel vor dem ersten „Avengers“-Teil so erfolgreich vorgemacht hat. Und das finde ich absolut positiv. Gerade „Suicide Squad“ hatte außer einem coolen Look leider wenig zu bieten. Zu eindimensional die Charaktere, zu wenig Entwicklung, holpriger Rhythmus, zuviele Figuren auf einmal, kein klarer Fokus. Das alles macht „Wonder Woman“ nun besser. Viel, viel besser. Regisseurin Patty Jenkins, die ihr Debüt 2003 mit dem preisgekrönten Drama “Monster“ gab, ist eine saubere Inszenierung geglückt.

Ich hatte mich ja wie oben geschrieben vorab umfassend in das Franchise eingelesen. Im Kino konnte ich deshalb viele kleine und große Details direkt zuordnen und wusste, was es damit auf sich hat. Unbedingt notwendig wäre das aber nicht gewesen – der Film nimmt sich die Zeit, seinen Hauptcharakter gründlich vorzustellen und uns Zuschauer in die geheimnisvolle Welt der Amazonen einzuführen.

Das ist auch direkt eines der Erfolgsgeheimnnisse dieses Films: Die titelgebende „Wonder Woman“ erweist sich als tragfähig. Sie ist tugendhaft, ohne eindimensional zu wirken, heißblütig und jähzornig, ohne dumm zu wirken und so hübsch wie stark – ohne sich darauf zu beschränken. Gal Gadot erweist sich als Darstellerin als hervorragende Wahl. Ihr nimmt man die innere Verletzlichkeit genauso ab wie den Heldenmut, die Irritation über die Regeln der modernen Welt ebenso wie die tiefe Trauer über das Elend, das sie dort sieht. Außerdem ist sie eine wirklich hübsche Frau, was auch im Film mehrfach durch die anderen Charaktere erwähnt wird – in ihrer Mischung aus Drahtigkeit und Anmut erinnert sie mich ein wenig an die junge Jessica Alba. Alles in allem ergibt das eine Leinwandheldin, der ich gerne auf ihrer Reise gefolgt bin.

 

Zwischen „Thor“ und „Captain America“

Die Handlung von „Wonder Woman“ wiederum weckt bei mir Assoziationen zu zwei Marvel-Filmen: „Thor“ und „Captain America“. Beiden ist das Leinwandepos mit der Powerfrau aber in meinen Augen deutlich überlegen.

Ähnlich wie in Marvels „Captain America“ haben wir in DCs „Wonder Woman“ eine Superheldenfigur, die in ein historisches Kriegsszenario geworfen wird.  Das hat mich beim Captain eher gelangweilt, weil die Nazi-Thematik schon so oft verwendet wurde und es ein sehr klassisches „Gute Amerikaner gegen böse Deutsche“-Szenario war. Grundsätzlich empfand ich den ersten Weltkrieg als Szenario von „Wonder Woman“ im Vergleich dazu als etwas unverbrauchter. Viel Tiefe haben die Deutschen aber auch hier nicht, der Unterschied zu klassischen Nazi-Filmen ist jetzt also nicht gerade riesig. Positiv ist aber, dass das Gut-Gegen-Böse-Schema ganz grundlegend hinterfragt wird – in die Richtung, ob es überhaupt irgendetwas Gutes am Krieg gibt. Insgesamt: Etwas unverbrauchteres Szenario, weniger krasses Schwarz-Weiß-Denken und eine wesentlich coolere Heldin – das reicht für mich, um „Captain America“ deutlich auszustechen.

Dass Mythologie auf Moderne trifft – das wiederum kennen wir schon aus „Thor“. Ich fand die Fantasy-Sagenwelt in „Thor“ eigentlich ganz cool, aber irgendwie war mir das mit der Regenbogen-Straße etc insgesamt etwas too much. „Wonder Woman“ nimmt sich am Anfang reichlich und angemessen Zeit, den mythologischen Unterbau zu erklären, schubst seine Heldin dann aber recht zügig hinaus in die „echte“ Welt – wie es scheint, ohne Option auf Wiederkehr. Keine Regenbogenstraße zurück nach Mittelerde. Finde ich gut.

Wie auch bei „Thor“ gibt es ein paar launige kulturelle Missverständnisse, insgesamt lebt sich die forsche Heldin aber zügig in der neuen Umgebung ein und macht auch im hochgeschlossenen Kostüm eine gute Figur. Danach lässt sie rasch Taten sprechen – und wer ihr einmal in Action zugesehen hat, der hält ihren zunächst wirr klingenden Wunsch, den Kriegsgott auszuschalten um den Krieg zu beenden, plötzlich durchaus für realistisch. Das geht uns Zuschauern so, und den Figuren im Film geht es genauso. Ob sie damit am Ende richtig liegt, wird hier natürlich nicht verraten. Aber eine taffe Heldin, die aus Atheisten in den Kinosesseln Agnostiker und aus Agnostikern Gläubige machen kann – das hat was.

 

Der Film ist ein visueller Leckerbissen

Optisch ist der Film auch abseits der hübschen Hauptdarstellerin pures Eyecandy. Dass Mr. „300“ Zack Snyder an der Produktion beteiligt war, lässt sich mehr als nur erahnen. Die Kampfszenen sind immer sauber aufgelöst und stimmig choreographiert. Zur Rhythmik und Dramatik tragen auch die perfekt eingesetzten Bullet-Time Effekte bei. Diese Mini-Zeitlupen an den richtigen Stellen würzen die Action gekonnt ab.

Hervorzuheben ist außerdem die Vorgeschichte aus der griechischen Mythologie, die ganz am Anfang des Films der kleinen Diana vorgelesen wird. Wie die klassischen Malereien alter Meister werden diese optisch präsentiert, dabei aber so reduziert wie pointiert animiert. Ein Augenschmaus und ein guter Weg, die eigentlich etwas sperrige Prämisse filmisch zu erzählen.

 

Fazit meiner Filmkritik zu „Wonder Woman“

Dieser Film ist ein großer Spaß und macht mir endlich Lust auf das DC Extended Universe. Ich schiele ja vor allem auch auf „Aquaman“, seitdem ich gesehen habe, dass der von mir geschätzte „Saw“- und „Dead Silence“-Regisseur James Wan die Inszenierung übernehmen wird. Aber nach dem eher durchwachsenen „Suicide Squad“ war ich ehrlich gesagt trotzdem etwas skeptisch, ob DC die Kurve bekommen würde.

Wenn ich allerdings jetzt sehe, was bei „Wonder Woman“ alles richtig gemacht wurde, schaue ich doch deutlich positiver in die Comic-Kino-Zukunft.

Wir erleben hier eine glaubwürdige Heldin, die das etwas schräge Szenario bodenständig und glaubwürdig verkauft, in einer optisch tollen, sauber erzählten Geschichte mit nachvollziehbarer Charakterentwicklung und einer wunderbaren Hauptdarstellerin.

Klar wird das Kino hier nicht neu erfunden und Arthaus-only-Schauer werden sicher wie immer was zum Meckern finden. Aber das, was der Film sein will – sowohl Sommer-Blockbuster als auch eine angemessene Verfilmung eines Comic-Klassikers, schafft er hervorragend.

Wenn ich „Wonder Woman“ unter allen bisherigen DC- und Marvel-Filmen einordnen müsste, wäre er wohl im oberen Drittel.

Diana ist eine Heldin, von der ich gerne mehr sehen möchte. Teils 2 und 3 können gerne kommen. Bring it on!

 

Wie stehst du zum DC Extended Universe? Wirst du dir „Wonder Woman“ ansehen? Wie fällt deine Filmkritik zu „Wonder Woman“ aus? Und bist du schon Fan der Comics gewesen, oder erst durch die Kinofilme dazu gekommen? Schreib mir gerne deine Meinung in die Kommentare, ich freue mich immer über Feedback!

 

Wonder Woman startet am 15. Juni 2017 in den deutschen Kinos.

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Quelle Titelbild: Warner Bros (Ausschnitt aus dem offiziellen Kinoposter)

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Frank
Berlin

Macht schon lange irgendwas mit Medien und jetzt auch irgendwas mit Blogs. Zu oft am Arbeiten. Zu wenig beim Serie schauen, Comic lesen und Brettspielabend. Gibt sich aber Mühe. Liebt Tim und Struppi, nerdige T-Shirts und Mario Kart. Filmfreak, Gelegenheitszocker und Magic-The-Gathering-Veteran. Geeking since C64.

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